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letztes Update:
12.05.2013

. / .Deutsch / Kommunikation / Medien / Beispiel für eine Abitur-Klausur aus der Zeit vor dem Zentralabitur (verfasst 2007)
Stand: 12.02.2013

Seit Einführung des Zentrabiturs in Niedersachsen sind alle eigenen Vorschläge, die man im Laufe der Zeit angefertigt hat, nicht mehr nötig. Dies ist eine Reform - wollen uns Bildungspolitiker glauben machen. Pisa sei Dank - nun können all die faulen Säcke (Schröder) und, so muss man doch mutmaßen, auch dummen Lehrer endlich zu Höchstleistungen angespornt werden. Mir persönlich soll es Recht sein: keine aufwändigen und mehrfach durchdiskutierten eigenen Überlegungen mehr - wozu auch? - wenn wir schon einheitliches „fast-food” essen, weshalb nicht auch standardisierte „fast-food” Aufgaben. Die Realität der Aufgabenstellung zeigt hingegen eher - nicht immer - eine gegenteilige Tendenz.
Generell soll wohl ein Mindestniveau sichergestellt werden, aber dies führt m. E. in der Praxis zu absonderlichen Kontrasten:
Es ist schon etwas lästig, wenn man grübeln muss, was der Erwartungshorizont mit der Aufgabenstellung zu tun hat; nicht dass die entsprechenden Kollegen sich nicht Mühe gegeben hätten, im Gegenteil: Ihre Erwartungshorizonte quellen nur so über vor esoterischem Wissen, denn jeder hat so sein Orchideengärtchen - aber leider auch z. T. vor esoterischen Themen. Uns hätten die Landesfachberater früher solche Aufgaben wohl eher zurückgeschickt, aber da hat sich mittlerweile vieles geändert. Wo ein politischer Wille, da auch ein Weg.
Andererseits: Es gibt Aufgaben, die tendenziell ohne große Vorbereitung lösbar erscheinen.
Zur Klarstellung: Auch mir erscheint eine Überprüfbarkeit (das heißt heute in Neudeutsch: Evaluation), Vergleichbarkeit und Objektivierung sog. hoheitlicher Entscheidungen (hier werden zum Teil Urteile durch Lehrer gefällt, von denen unsere Richter bezüglich der gesellschaftlichen Folgewirksamkeit nur träumen können) durchaus notwendig zu sein. Das Prinzip der Kollegialität (hier die Korrektur durch mehrere Kollegen), schon in der Antike bekannt, war da bereits sehr wirkungsvoll - wäre übrigens auch und gerade im Bereich der Politik sinnvoll (Besetzung aller Stellen mit weitreichender Entscheidungskompetenz durch mindestens 2 Personen).
Eine Anonymität (Verfasser und die Korrektoren untereinander kennen sich nicht) würde sehr viel wirkungsvoller zu einer Leistungsnormierung führen, als dies durch tendenziell durchschnittliche Zentralaufgaben überhaupt möglich ist.
Schule wird nicht besser durch administrative Gängelung wie z. B. diese zentrale Aufgabenstellung und die Schulinspektionen, sondern durch Verlagerung von Verantwortung auf einzelne Kollegen, durch deutlich kleinere Lerngruppen, durch Ganztagsschule, nicht zuletzt auch um die Heranwachsenden dem zunehmend verantwortungsloseren Zugriff der Medien am Nachmittag zu entziehen, durch Unterrichtsstunden mit 2 Kollegen, durch Vernetzung mit Projekten, durch Konzentration auf die Kernbereiche, durch zahllose experimentelle Neuansätze, durch Stärkung der Autorität der Lehrer etc.- alles irgendwo schon angedacht, beschrieben und noch vorstellbar.
Aber all das würde ja Geld kosten, bessere Bildung gibt es nicht zum Nulltarif, aber genau das wird suggeriert. Tatsächlich werden nur neue Spielwiesen für Bürokraten angelegt, Lehrer im Zweifelsfall an den Pranger gestellt und nachhaltig demotiviert. In keiner anderen Berufsgruppe gibt es so viele krankheitsbedingt vorzeitige Quittierungen des Dienstes, keine Berufsgruppe hat eine so kleine Lobby, als Beamte dürfen wir nicht demonstrieren und öffentlich auch nichts sagen.
Wir brauchen keine Zentralvorgaben des - man möchte schon sagen - Politbüros, sondern die Fülle und Breite einer offenen, multiperspektivisch ausgerichteten Gesellschaft. „Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden”, diese Aussage Rosa Luxemburgs gewinnt zunehmend an Bedeutung in einer Gesellschaft, in der unsere politische Klasse beginnt, monarchische Rigidität und zentralistische Verfahrensweisen einzuüben. Mich beschleicht ein wenig das Gefühl, dass die übereilte Übernahme der alten DDR (man munkelt, sie sei dem GG beigetreten) einhergeht mit der allmählichen Manifestierung preußisch-sozialistischer Werte und Normen.

Noch eines: Es gibt auch positive Wirkungen des Zentralabiturs: Wir Lehrer brauchen die vorgegebenen Themen vor den Schülern nicht mehr zu legitimieren - wir sitzen gemeinsam in einem Boot (wie kuschelig) und warten geduldig auf die Vorgaben der Obrigkeit.
Ein Letztes: Schade ist nur, dass zukünftige Lehrergenerationen vieles an möglicher Kompetenz gar nicht mehr aufzubauen brauchen.
Ach ja - jetzt haben wir gar nicht mehr über die Schüler gesprochen - wozu auch!




Kursart: Leistungskurs
Aufgabenart: Kombination von Textanalyse und Problemerörterung (T2/P2)
Fachlehrer: H. Wilczek
Semester: 13.1


Thema: Sprache und Literatur




Aufgabenstellung:

1. Stellen Sie den vorliegenden Textauszug inhaltlich vor!
    
2. Präzisieren Sie die Merkmale und den Leistungsbereich gesprochener Sprache;  
setzen Sie sich auf diesem Hintergrund kritisch mit Grosses Position auseinander!
      
3.  Unter Bezugnahme auf das bisher Erarbeitete kommen sie zu einer neuen Vorstellung:
Ein von Ihnen schriftlich angefertigtes Referat zu einem spezielleren Thema soll von Ihnen
nunmehr auch mündlich vor ca. 20 Mitschülerinnen gehalten werden.
Kennzeichnen Sie die veränderte Kommunikationssituation  und erläutern Sie die notwendigen
Vorüberlegungen für das Abhalten eines mündlichen Referates!




TEXT

Kennzeichen gesprochener Sprache (1972), Siegfried Grosse

Ich möchte die folgenden Punkte als wichtige Kennzeichen
der gesprochenen Sprache hervorheben:

a) Die Rollenhaltungen der beiden Dialogpartner sind zwei
variable, außersprachliche Faktoren, die wesentlich dazu  
beitragen, daß jedes Gespräch in der einmal geführten Form
unwiederholbar ist. Unter dem Begriff der Rolle ist nicht
eine Maskierung vor dem Partner zu verstehen, sondern die
sich ständig wandelnde, auf den Hörer reagierende
Sprechposition. (...)

c) Der Ablauf der Rede wird für den Hörer vom Sprechenden
anders gegliedert als vom Schreiber für den Leser. Die
Melodieführung der Intonation, die Pausen nach Sinneinheiten
oder auch innerhalb von diesen, die Akzente phonetischer
Druckstellen, die Lautstärke und die wechselnde  
Geschwindigkeit der Spracherzeugung - alle diese Momente
können Bedeutungsnuancen enthalten und Aussagen entscheidend
beeinflussen. Sie finden bei der Niederschrift keine
Berücksichtigung, und deshalb gehen sie für den Nachvollzug
verloren, oder - anders gesehen - bei einem schriftlich
konzipierten Text müßten sie sprachlich eigens umgesetzt werden.
(...)

d) Die momentane mündliche Äußerung steht fest und ist nicht
mehr zu korrigieren. Sie kann lediglich in einem
neuformulierten nachfolgenden Zusatz aufgehoben werden. So
können zwei Wendungen nacheinander stehen, von denen bei der
Niederschrift die eine entfallen würde. Oder der Sprecher
ändert während der Rede den Informationsgehalt oder die
syntaktische Fügung der Mitteilung, so daß es zu Satzbruch,
Klammerbildungen, unvollendeten oder verblosen Sätzen kommt.

e) Die Rücksichtnahme auf den Gesprächspartner und der Zwang,
während des Sprechens das Gedachte zu formulieren, betonen
einmal das deiktische*) Element der gesprochenen Sprache und
zum anderen erklären sie die Redundanz der mündlichen Rede,
deren Hauptkennzeichen es ist, daß sie viel mehr Wörter und
Wendungen braucht als die schriftliche Fassung einer
vergleichbaren Information. Mit der Redundanz ist die Neigung
zur Rekurrenz*) verbunden, die gleichfalls in der
gesprochenen Sprache häufig ist.
(...)

*) deiktisch = auf eine Eigenschaft bestimmter sprachlicher Einheiten hinweisend
*) Rekurrenz = auf etwas zurückgreifen, d.h. etwas wiederholen

                    


2. Fundstelle des Textes

Siegfried Grosse, Kennzeichen gesprochener Sprache, in: Reinhold Friedrich, Maximilian Nutz (Zusammenstellung), Helmut Popp (Hrsg.), Studientexte für die Kollegstufe: Mündliche Kommunikation, Oldenburg Verlag München 1980, Seite 23 f.

          

3. Unterrichtliche Voraussetzungen und Erwartungshorizont

3.1. Unterrichtliche Voraussetzungen:

Die Themenstellung bezieht sich auf den Unterricht des dritten Semesters (13.1):
„Sprache und Literatur" und hier insbesondere auf die Unterrichtseinheit „Rhetorik und Kommunikation“.
Die Schüler sind mit der Analyse politischer Texte unterschiedlicher Epochen vertraut; sie kennen Argumentationslehre und Redeaufbau (Geissler), haben sich mit Eristik (Schopenhauer) beschäftigt, sind vertraut mit propagandistischen Kategorien (Kischka) und sind insbesondere im Gebrauch von Stilfiguren geübt. Das Erfassen von Sachtexten hinsichtlich ihrer thematischen Substanz und intentionalen Aussage wurde geübt; dieser Sachtext S. Grosses ist in besonderem Maße geeignet, kommunikative Aspekte aufzugreifen. Unterrichtlich sind diesbezüglich behandelt worden: Kodierungsstörungen (Relation von Rauschen und Redundanz); Untersuchung suprasegmentaler Merkmale gesprochener Sprache (Geissner, Pawlowski); zeichen- und handlungstheoretische Position (Saussure, Watzlawick); situative und habituelle Merkmale dialogischer und monologischer Kommuniktionssituationen wurden nicht zuletzt im Verfertigen eigener Kurz-Reden verdeutlicht.
Generell bilden Textanalysen mit besonderem Schwerpunkt auf sprachlich-stilistischer Ebene  einen semesterübergreifenden Aspekt.
Ferner knüpft die letzte Aufgabe thematisch an das 4. Semester „Alte Medien  -  Neue Medien“ an.
Der Text ist den Schülern nicht bekannt.

3.2. Erwartungshorizont:

zu 1.  
Grundsätzlich wird eine sprachlich angemessene Lösung erwartet, die - in indirekter Rede gehalten - zeigt, dass die Schüler einen ihnen unbekannten  theoretischen Text im Zugriff auf wesentliche Elemente zu realisieren vermögen.
Grosse hebt die Besonderheiten sprecherischer Merkmale im Rahmen gesprochener  Sprache hervor; Verweis auf interdependenten Zusammenhang von Sprechhandlung und Rollenzuordnung (Abschnitt(a)), besondere Informationsdefizite werden angesprochen (Abschnitt(c)). Im zweiten Teil werden syntaktische Abweichungen der gesprochenen Sprache gekennzeichnet.
Aus Gründen situativer Variabilität wird eine hohe Redundanz verbaler Elemente postuliert (Abschnitt(e)). Benennung des Texttyps, des Themas sowie der Intention können methodisch erwartet werden.
Anforderungsbereich I (T2)

zu 2.  
Teilweise Auflösung jeglicher syntaktisch – normativer Ordnung durch Gebrauch von: Asyndeton, Anakoluth, Ellipse und Häufung von Parenthesen; im sprecherischen Bereich: Melodie, Dynamik, Akzent, Pause, Artikulation und Tempo; im nonverbalen Bereich: Gestik, Mimik und Pantomimik; Leistungsbereich: Kennzeichnung der satzsemantischen Wertigkeit, des Sprechhandlungstyps, des Texttyps, der Intention des Sprechers, der psychophysischen Befindlichkeit und der Beziehung zum Hörer. Eine Vielfalt von sich ergänzenden und überlagernden Informationskanälen liegt - im Gegensatz zur geschriebenen Sprache - vor, so dass in der Summe eine hohe Redundanz vorliegt, aber eben nicht in der Häufung und Wiederholung von verbalen Elementen. Generell unterschätzt Grosse die Leistungsfähigkeit einer mündlichen Kommunikationssituation, insbesondere der letzte Abschnitt enthält unter Bezugnahme auf Geissner/Pawlowski recht fragwürdige Schlussfolgerungen; zumindest sollte den Schülern der Widerspruch bewusst werden.
Eine integrative Analyse ist allen Anforderungsbereichen zuzuordnen. (P1)  

zu 3.  
Wandel von einer sekundären in eine primäre Kommunikationssituation, von einer visuellen Einweg- in eine mehrkanalige Zweiwegkommunikation, d.h. Zugewinn von Ausdrucksmöglichkeiten des Senders und Eindrucksdimensionen des Empfängers; allerdings besondere Kommunikationssituation insofern, als ein Referat eher latent dialogischen Charakter besitzt, da weitgehend monologisiert wird und eine Reversibilität der Sprechakte aufgrund von Konventionen nicht üblich ist. Ansprechen besonderer  Kommunikationsstörungen: Rauschphänomene unterschiedlicher Art. Generell sollte deutlich werden, dass ein schriftlich vorliegendes Referat eine denkbar ungeeignete Form eines Vortragskonzeptes darstellt; sinnvoll ist eine gegliederte Vorlage nach z. B. Stichworten, um spontan und situationsgerecht formulieren zu können. Ein Rückbezug zu den Ergebnissen aus Aufgabe 2 bietet sich an.
Eine integrative Analyse ist dem Anforderungsbereich II/III zuzuordnen.  (P2)                                                                                    


3.3.   Gewichtung der Teilaufgaben:   Aufgabe     : 1      2      3  
                                                   Bewertung     : 1x    1x     1x


4.       Angaben zum Thema:
          
4.1.    Das Thema ist neu.


5.       Versicherung der Geheimhaltung:
        
5.1.     Ich versichere, die für die Geheimhaltung notwendigen Vorkehrungen getroffen zu
          haben. Der vorliegende Text ist nicht im eingeführten Lehrbuch der Oberstufe  enthalten.