Menü

  Start  
  .Deutsch  
  .Geschichte  
  .Informatik  
  .Politik  
  Aktuelles  
  Kuriositäten  
  Sonstiges  
  Gästebuch  


106491 Besucher
seit April 07

letztes Update:
12.05.2013

. / .Geschichte / Neuzeit / Beispiel 1 für eine mündliche Prüfung in Geschichte
Stand: 02.03.2008

Anbei ein Beispiel für eine mündliche Prüfung im Fach Geschichte aus 2001: Die Schüler erhalten nur den Text und die Aufgaben.


Abiturprüfung 2001

Geschichte

(4. Prüfungsfach)




Aufgaben:
1. Geben Sie den Gedankengang des vorliegenden Textes wieder!
2. Erläutern Sie, ausgehend von der Bemerkung in Z. 29-31 des Textes, die wichtigsten Schritte der Etablierung der NS-Diktatur!
3. Nehmen Sie Stellung zu Stampfers Erklärung für das Scheitern der Republik!


Fundstelle des Textes:

Friedrich Stampfer, Die ersten 14 Jahre der Deutschen Republik, in: R. Neebe, Die Republik von Weimar 1918 - 1933, Demokratie ohne Demokraten?, Stuttgart 1987 (Klett), S. 120 f.


TEXT
Das Ende der Demokratie. Friedrich Stampfer über den 30. Januar 1933:

Als dies geschah, waren seit dem November 1918 vierzehn Jahre und drei Monate vergangen. Deutschland war wieder Großmacht und saß im Rat des Völkerbundes. Seine Gleichberechtigung, grundsätzlich auch die militärische, war anerkannt. Die Reparationen waren gestrichen, das Rheinland war seit drei Jahren - fünf Jahre vor Ablauf der Räumungsfristen - wieder frei.
Die Rettung der deutschen Ehre durch Adolf Hiller gehört in das Reich der propagandistischen Geschichtslügen.
Das persönliche Regiment Wilhelm II. und die Militärdiktatur Ludendorffs hatten Deutschland in den Abgrund geführt. Die Republik befreite es von dem schweren Druck der Niederlage. (...)
Schöpfer und Träger der Republik war vor allem der Teil der deutschen Arbeiterklasse, der in den Reihen der Sozialdemokratischen Partei marschierte. Von einem Teil seiner Klassengenossen verlassen, ohne Mehrheit im Volke, suchte und fand er zeitweilig seine Bundesgenossen bei dem freiheitlich gesinnten Teil des politischen Katholizismus und der bürgerlichen Mittelparteien.
Die Republik zerbrach an der Weltwirtschaftskrise. Es fehlte die Kraft, die imstande gewesen wäre, durch Maßnahmen eines praktischen Sozialismus die Krise zu mildern oder zu beseitigen. Es fehlte aber auch bei der Mehrheit des Volkes das Verständnis für den Wert der freiheitlichen Einrichtungen des Staates und der Wille, sie vor den Erschütterungen der Krise zu bewahren. So gewann der fanatische Machtwille einer Minderheit die Oberhand. Die mei¬sten wußten gar nicht, was ihnen geschah. Deutschland schlitterte in die Hitler-Diktatur, wie es 1914 in den Wellkrieg geschlittert war. Die nationalsozialistische Bewegung war entstanden als eine Mobilisierung notleidender Kleinbürger und Bauern und politisch zurückgebliebener Schichten der Arbeiter, Angestellten und Beamten. (...)
Angehörige der alten Herrenschicht, Großkapitalisten, Großagrarier, Aristokraten und Offiziere öffneten ihr - in der Absicht, sich ihrer als Herrschaftsinstrument zu bedienen - den Weg zur Macht. Die Verteilung der Siegesbeute, wie sie durch die Bildung der „nationalen Regierung" am 30. Januar 1933 erfolgt war, wurde vier Wochen später durch den Reichstagsbrand korrigiert. Zum erstenmal kam der ersehnte Diktator nicht von oben, sondern - als eine Mißgeburt der demokratischen Entwicklung - von ganz unten. Die Demokratie wurde abge¬löst durch die Tyrannis...


F. Stampfer (1874 - 1957) war von 1920 - 1933 Mitglied des Reichstags für die SPD und von 1916 - 1933 Chefredakteur des sozialdemokratischen „Vorwärts".



Erwartungshorizont:Teil 1

Aufgabe 1
In seiner Darstellung weist Stampfer die für Hitler reklamierte „Rettung“ Deutschlands als Propagandalüge zurück und betont statt dessen die erreichten Erfolge der im wesentlichen von der SPD (zusammen mit dem Zentrum und den bürgerlichen Mittelparteien) geführten Weimarer Republik (Wiederherstellung Deutschlands als international anerkannte, gleichberechtigte Großmacht, Ende der Reparationen, vorzeitige Räumung des Rheinlandes). Gescheitert sei die Republik dagegen vor allem an den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und dem mangelnden demokratischen Bewusstsein der Mehrheit des Volkes, so dass eine fanatische Minderheit sich habe durchsetzen können. Deutschland sei somit ähnlich nichtsahnend wie 1914 in den Krieg 1933 in die Hitler-Diktatur „geschlittert“, wobei der Weg zur „Tyrannis“ durch die Fehlkalkulation der alten Eliten, Hitler als Instrument benutzen zu können, geebnet worden sei.

Aufgabe 2
Darstellung und Erläuterung der wichtigsten Aspekte der Reichstagsbrandverordnung: Beseitigung der wichtigsten Grundrechte, „Grundgesetz“ des Dritten Reiches; des Ermächtigungsgesetzes: Aufhebung der Gewaltenteilung, Ausschaltung des Parlaments, Maßnahmen der NSDAP zur Sicherung der Zweidrittelmehrheit; der Gleichschaltung: Gewerkschaften, Parteien, Verwaltung, Länder; der Errichtung des „Führerstaats“: Ausschaltung der SA, sog. „Röhm-Putsch“, Hitler als „Führer und Reichskanzler“, Vereidigung der Reichswehr auf Hitler.

Aufgabe 3
Erwartet wird eine begründete und möglichst differenzierte, also multikausale Stellungnahme und Auseinandersetzung mit den Thesen Stampfers. Denkbar sind zunächst Anknüpfungen im Text: Stampfers Betonung der Weltwirtschaftskrise als Ursache des Scheiterns der Republik; die Frage des mangelnden demokratischen Bewusstseins der Mehrheit des Volkes; die Schuldzuweisung an die alten Eliten, Hitler in ihrem Kalkül unterschätzt und damit durch ihr eigenes Machtstreben die Diktatur maßgeblich herbeigeführt zu haben; das Freisprechen der Mehrheit des Volkes von Schuld aufgrund der „Ahnungslosigkeit“ gegenüber der „fanatischen“ nationalsozialistischen „Minderheit“; die einseitig positive Darstellung der Rolle der SPD. Die Berücksichtigung und Einschätzung möglicher weiterer Faktoren für das Scheitern der Republik ist wünschenswert: Probleme der Verfassung, Versailler Vertrag, Versäumnisse in der Anfangsphase etc.; damit die eigene Position in der Beurteilung möglichst deutlich wird.


Teil 2

Prüfungsgespräch
- Weimarer Republik : Reichspräsidenten, Art. 48, Versailler Vertrag; Versäumnisse in der Anfangsphase: Zusammenarbeit mit den alten Kräften
- Entstehung des Weltkriegs (außenpolitische Situation Deutschlands, Interessen auf dem Balkan, Frage der Kriegsschuld);
- „Neuer Kurs“ unter Wilhelm II.: Weltpolitik, Flottenpolitik, zunehmende Isolierung des Deutschen Reiches.
- NS-Ideologie; Nürnberger Prozess
- Attische Demokratie (didaktische Reserve)