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letztes Update:
12.05.2013

. / Aktuelles / Geschichten aus verschiedenen Perspektiven
Stand: 06.02.2012

Hier ein Beispiel für eine produktionsorientierte Aufgabe, die zwei Schülerinnen aus einer neunten Klasse angefertigt haben (Ende 2011).

Geschichten aus verschiedenen Perspektiven

Romeo und Julia


Ich-Erzähler:

Ich räkelte mich gemütlich auf dem angenehm  verfrorenen Boden und starrte in das Blau des Himmels, der mich aufzusaugen schien. Schneeflocken, so schön wie Butterblumen schwebten durch die Luft und mein Blick verschwamm. Ich streckte meinen Arm zur Seite und zerrte eine sich sträubende und vor Glück singende, smaragdgrüne Rose aus Vaters Erde. Langsam richtete ich mich auf und sprang, geschmeidig wie eine Gazelle, dem Himmelentgegen. Die warme, wohlige Wintersonne strahlte mir glücklich und weinend zugleich ins Gesicht. Ich hob meinen Arm, führte ihn in Richtung meiner Nase und saugte gierig den berauschenden Gestank der magischen Rose ein. Meine Augen schlossen sich wie von Zauberhanf und meine goldenen Engelslocken fielen mir in mein Gesicht. Nach einer zu kurz gefühlten Ewigkeit öffneten sich meine blauen Augen und wen durfte ich da am Rande der endlosen, verschneiten Blumenwiese erblicken? Romeo! Wie in Zeitlupe liefen wir aufeinander zu, meine goldenen Locken tanzten von der einen Seite zur anderen und die Luft schnitt mir ins Gesicht. In endlosen Kängurusprüngen erreichte ich mein Ziel und wir flogen uns glücklich und zufrieden in die Arme. Genau in diesem Moment blieb die stetig voranschreitende Zeit stehen.
Und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir noch heute.


Auktorialer Erzähler:

Hallo Kinder! Wollt ihr eine Geschichte hören? Also: Wir befinden uns auf einer von Schnee bedeckten Winterwiese vor etwa 100 Jahren. Auf dieser weißen Wiese befinden sich abertausende von Rosen in jeder erdenklichen Farbe. Rote, strahlend gelbe, saphirbblaue, smaragdgrüne, orange, perlenweiße und schwarze. Der Nordwind peitscht über die endlos lange Wiese, doch die Rosen bleiben wie ein Fels in der Brandung stehen. Die Wälder, die Wiesen, die Hütten, einfach alles ist vom Schnee bedeckt und die großen Straßen, wie auch die kleinsten, schmalen Wege sind vereist. Auf der Winterrosenwiese liegt eine zierliche Gestalt wie ein Engel. Ihr Gesicht ist träumend dem Himmel emporgestreckt. Die wärmende Kälte der leuchtenden Wintersonne lässt ihr engelsgleiches Gesicht strahlen. Das bezaubernd kleine, aber doch starke Mädchen legt seinen Arm zur Seite und seine kleine, warmgefrorene Hand legt sich um eine Rose. Das erfreute Mädchen zieht die Rose aus der Erde heraus. Nun Kinder, was meint ihr welche Farbe die schillernde Rose hat? In ihrer Hand hält Julia eine wunderschön blühende, smaragdgrüne Rose. In dem Schnee kontrastieren Julias leuchtend, kräftiges Rot des Anoraks und ihrer angenehm kuscheligen Wollmütze mit dem weiß glühenden Schnee. Julias Glieder zuckten allesamt zusammen und sie springt förmlich der Sonne entgegen, welche einer glühenden Kugel gleicht, die ein Skarabäus vor sich hinschiebt. Genau in diesem Moment öffnen sich Julias blauen Augen und ihr Herz zerspringt vor Glück, denn wen sieht sie da? Es ist ihr geliebter Romeo! Beide laufen sich instinktiv, vor Freude strahlend, so schnell wie eben möglich entgegen. Romeos braunen Augen glitzern vor Freude. Ihre Farben gleichen dem eines Weihnachtsfestes. Julias rote Garderobe und Romeos grüne. Doch ihre Farben sagen noch etwas anderes aus, Kinder wisst ihr es? Rot für die Liebe und grün für die Hoffnung. Zusammen laufen Romeo und Julia dem Sonnenuntergang entgegen. Sie leuchten wie der hellste Stern. Ihre Gestalten werden immer kleiner und kleiner, bis sie schließlich verschwunden sind. Weitergezogen, nicht mehr da, vorbei, wie der Augenblick.


Personaler Erzähler:

Julia lag inmitten einer erstarrten Rosenpracht auf einer verschneiten Wiese. Sie fühlte sich pudelwohl, auch wenn der Boden hart war wie Stein und die Kälte sich langsam einer Blutlache gleich an ihrem Körper aufstrich. Ein eisklares Blau spannte sich an diesem kalten Wintertag über den makellosen Himmel. Nach einiger Zeit konnte auch die wunderschöne Aussicht auf den Himmel sie nicht mehr an den Boden festigen. Sie pflückte eine Rose aus dem Erdreich, dessen Bewohner die Wurzeln doll festhielten, sodass sie mit ganzer Kraft ziehen musste. Normalerweise ging das doch leichter. Naja, normalerweise waren Rosen ja auch nicht grüner als der Wald. Schließlich gewann Julia den friedlichen Kampf und streckte und reckte und checkte ihren Körper. Ah, tut das gut, dachte sie. Und die warme Sonne. Schön warm schien sie auf ihr Gesicht und erwärmte die rotgefrorenen Wangen. Jetzt musste sie sich aber erst  mal ihre Rose ansehen. Ja eindeutig. Es handelte sich um eine wunderschöne Rose. Aber was für eine. Smaragdgrün, schimmerte sie in allen erdenklichen Metallicfarben. Ihre Aura sprühte Funken vor Vitalität. Und sie roch so gut! Irgendwie blumig. Rosig! Sie schloss beglückt ihre leuchtend blauen Augen.
Zur selben Zeit wanderte Romeo allein durch einen nahegelegenen Wald. Die Fäuste in seine tiefen, warmen Taschen seines grünen Parkas vergraben schlenderte er tief in Gedanken versunken durch den Wald. Düster, dunkel, gruselig, gefährlich, ja das war er. Hinter ihm knarrten die vollbegrünten Bäume im Winterwind. Es schauert ihm den Rücken herunter. Jede Faser war angespannt. Zum Sprung bereit wie ein Panther. Was tat er hier überhaupt? Warum erfreute er sich an der wilden aber doch ruhigen Schönheit der Natur. Das Leben war doch eh nichts wert. Wieso lebte er überhaupt. Mit diesen schrecklichen Gedanken trat er aus dem Schatten des Waldes auf die verschneite Rosenwiese. Was er dort sah, raubte ihm den Atem. Eine zierliche blonde Lockengestalt, die die ganze Wiese mit ihrem Glück auszufüllen schien stand dort, den Blick gen Sonne gewandt und eine außergewöhnlich anziehende Rose in der Hand. Er sah, wie sich Julias Augen öffneten und sich mit seinen haselnussbraunen Augen kreuzten. Die Welt hörte auf sich zu drehen, so schien es ihm. Angespannt verfolgte er, wie eine weiße Taube in den dunklen Wald flog, aus dem ein pechschwarzer Rabe herausschoss. Romeo wagte nicht zu atmen. Dieses Mädchen ist der Grund zu leben, dachte er. Einem Instinkt folgend rannte er auf sie los. Sie flogen aufeinander zu, wie ein Gummiseil, das zu lange gespannt war und warfen sich einander in die Arme. Lauter widersprüchliche Gefühle wallten in Romeo hoch:  Angst, Wut, Hoffnung, Enttäuschung, Hilflosigkeit, Macht und schließlich wurden sie alle von einem Gefühl verdrängt. Für Julia zu leben, ihr Freude zu bereiten und keinen Kummer mehr zu spüren. Er pflückte ein rotes Kleeblatt aus ihren Haaren. Ihr Glück war vollkommen
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Verfasser: Pia Zurborg, Charlotte Büssing