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letztes Update:
12.05.2013

. / .Deutsch / Nachkriegsliteratur
Stand: 11.10.2012

In einem aktuellen Deutsch-Kurs (Jahrgang 12) sollten die Schüler produktionsorientiert eigene Texte verfassen, um eine für sie fiktive Nachkriegssituation besser erfassen zu können. Das Lesen vorhandener sog. „Trümmerliteratur” ist eine Dimension; das eigenständige Anfertigen eine ganz andere. Ich persönlich fand die Ergebnisse durchaus bemerkenswert.

Als Ich am Morgen erwachte

Als Ich am Morgen erwachte, war alles noch wie am Tag zuvor. Ich
musste mich aus dem Bett quälen, denn es war bitter kalt. Ich musste
die Kinder für die Schule fertig machen und dann selbst ins Büro. Ich
würde heute noch meine Schwester besuchen gehen, um ihr einen
Kuchen zu bringen. Ich musste noch einkaufen gehen und unsere
Wäsche waschen.

Ich stand auf und trat ans Fenster, um die Vorhänge zur Seite zu
schieben. Nun sah Ich, wo die Kälte herkam. Die Fenster waren kaputt.
Es traf mich, wie schon einige Male zuvor.
Als Ich die Zerstörung auf den Straßen sah, erinnerte Ich mich gegen
meinen Willen wieder. Ich brauchte nicht aufstehen um die Kinder in die
Schule zu bringen. Es gab keine mehr.
Ich brauchte meiner Schwester keinen Kuchen zu bringen. Sie gab es
nicht mehr.
Ich konnte nicht einkaufen gehen, denn es gab nicht genug Essen für
alle.

Und da wusste ich, heute ist ein Morgen wie schon viele Morgende
zuvor. Heute geht es wieder ums überleben. Nicht nur für mich, sondern
auch für den Rest der Bewohner dieser Stadt, dieses Landes.

L. W.


Zeugenbericht: ein Berliner Stadtbaum (April'45)

Ich stehe hier seit über 80 Jahren. Ich habe viele Turbulenzen miterlebt. Habe
Kaiser aufblühen und fallen sehen. Doch die letzten sechs Jahre waren die
schlimmsten meiner Geschichte.

Ich bin ein Stadtbaum in einem damaligen Judenviertel Berlins. Es ist ein
Wunder, dass ich noch stehe. In den letzten vier Jahren kamen mehrere
Bombenangriffe über diese Region, sodass viele der hier noch lebenden
Frauen und Kinder starben. Es ist beinahe unmögich, aber ich bin nur mit
einigen Granatsplittern davon gekommen. Die Stellen werden schon wieder
verwachsen.

Doch es macht mir keinen Spaß mehr hier zu bleiben. Zu tief haben sich die
Erinnerungen in mein Gedächtnis eingebrannt. Angefangen mit der Roma-
und Judenverfolgung der Nazis ab '33, um nur ein paar der vielen verhassten
Gruppen zu nennen. Einige, der hier Lebenden wurden sogar unter mir
erschossen. Diese Bilder werde ich nie vergessen.. Ich hoffe, dass die
nächsten Jahre besser und vor Allem ruhiger werden und dass diese Region
wieder reich besiedelt wird.

Frederik Gerdes


Die Sehnsucht

Wenn ich stark genug gewesen wäre
Hätte ich dich nicht losgelassen
Wenn ich es gewusst hätte
Wäre ich dein Schutzschild gewesen, und dann
Wären wir heute verbunden wie es früher war.

Wie kriege ich dich zurück?
Während die Schwelle zwischen uns unüberschreitbar ist
Was soll ich machen?
Als das kleinste und machtloseste Wesen
Gegenüber dem allmächtigen blutigen Krieg.

Mein Leben ist ein Traum geworden
Ich träume von mir selbst und von meinem verlorenen goldenen Leben
Ich träume von dir und von deiner Macht in meinem Leben
Ich träume von der bösen Zeit, die
Die Liebe zum Hass
Das Zusammensein zur Trennung
Den Mensch zum Wolf geändert hat.

Heute ist für mich gestorben
Ich lebe noch in deiner Zeit
Da kann ich dich berühren
Mit dir Hand in Hand laufen
Und deinen sprechenden Gesicht
Mit deinen liebevollen Augen zuhören.

Wann lässt du mich los?
Ich will wieder  aufstehen
Und unter Menschen gehen.
Wann lässt du mich los?
Ich will laut singen:
Dass das Elend und Leid den Mensch als Schöpfer hat
Dass wir Opfer von uns selbst sind
Dass der Feind des Menschen der Mensch ist
Dass die Farbe der Zeit war, ist und wird
Von uns gepregt.

Désiré Tuyisabe


Trümmer

Wer bin ich und wer war ich?
Bin ich gar, wer ich dachte zu sein?
Die Schuld zu erkennen ist gut,
sie zu bekennen noch besser,
wenn Unrecht ist, was Recht war.
Meine Welt liegt in Trümmern, mein Land.
Doch was ist mein Land?
Die Schuld kommt und die Identität geht.
Ich will die Vergangenheit lieber vergessen,
die Zerstörung, den Krieg, die Unmenschlichkeit.
Aber was bleibt dann noch?

Anja Aumann


Die Ungewissheit

Trauer an der zersprengten Mauer,
die Ungewissheit übers Wohlergehen plagt,
noch immer sind skrupellose Soldaten auf der Lauer,
Entsetzen beim Anblick vom zerstörten Markt.

Weiß nicht, wie es meinen Liebsten geht,
ich frag mich, haben Sie’s überlebt?
Ich betrachte sich findende Menschen voller Neid,
und ich kann nur hoffen dass mein Schutzengel mir treu bleibt.

Lukas Lindemann



Ein Gefühl der Leere

Einsam und allein sah man mich stehen,
auf den Trümmern der Zeit konnt’ ich nicht sehen,
in ihren Augen die Zuversicht, die Fröhlichkeit,
das Land, oh, es wirkt so jämmerlich weit.

All das Gefühl, welch’ ich hab’ gespürt,
bevor von meinen Brüdern an die Front geführt.
Über den See der Erinnerungen mit einer Fähre,
die Emotionen, wo sie waren, da ist nun Leere.

Die Leute, sie wandeln umher wie Gespenster,
man sieht überall die zerschossen’ Fenster.
Kein einz’ges Haus blieb verschont,
kein Haus, kein Mann kein’ Frau nicht ‚mal der Hund.

Still, so still, so still wie nie,
komm mein Kind, sagte die Mutter, sieh,
dem Vater geht’s nun endlich gut,
nach langer Zeit, wir brauchen Mut.

Geben werden wir uns Stärke,
unendliches Warten, trotz ganzer Härte,
haben wir nun überlebt,
braune Männer, wie ihr seht.

Wir sind frei, die Zukunft wird kommen,
wir wollen leben, in ganzen Wonnen,
rein mit unserer Vernunft,
unbeachtet uns’rer Herkunft!

Michael Wieliczka



Papa

Schon über neun Monate ist’s her, dass ich dich das letzte Mal sah.
Mein geliebter Papa, wie lange bleibst du noch da?

Stunde für Stunde, Tag für Tag
überlege ich, wie lange es noch dauern mag.
Meine Mama und ich, wir fürchten uns sehr.
Was, wenn es heißt, du kommst nie mehr?

Nicht auszudenken, wie unser Alltag dann verliefe,
ohne einen Mann, der uns täglich behütet.
Unser Beschützer und Ernährer,
der jeden einzelnen Tag macht wärmer.

Ich hoffe, das Warten hat bald ein Ende,
und ich fühle sie wieder, deine schützenden Hände.
Bis dahin lass es ihm gut geh’n, wo immer er ist,
und lass ihn stets wissen: Papa, du wirst sehr vermisst!

F. B.

Innerer Monolog

1947. Seit 2 Jahren ist der Krieg vorbei. Endlich ist es soweit. Keine
Bomben. Keine Gewehre. Keine Leichen. Nie wieder! Doch so wie der
Krieg verschwunden ist, ist auch meine Familie verschwunden. Der Krieg
hat sie mitgenommen. Er ist der Schuldige. Jeder weiß es. Doch man
kann ihn nicht verhaften, nicht einsperren, nicht umbringen. Er hat mir
alles genommen. Meine 2 tollen Kinder, meinen starken Mann, unser
Leben. Was bleibt mir noch? Was hält mich noch hier? Was hilft mir?
Nichts und niemand lautet die Antwort. Nichts und niemand ist für mich
da. Aber wieso musste es mir passieren? Wieso? Ich habe mich immer
um alle gekümmert, hatte keinerlei Absichten jemanden etwas Böses
hinzuzufügen. Wieso fügt mir aber jemand so etwas Böses hinzu? Ich
spüre nur noch unglaubliche Schmerzen, auch wenn es schon 2 Jahre
her ist. Niemals werde ich auch nur einen Tag nicht an sie denken. Sie
waren mein Leben, doch jetzt sind sie weg. Niemals würde ich sie gehen
lassen und niemals werde ich den Glauben daran verlieren, dass sie
eines Tages wiederkommen. Hoffnung ist das Einzige, was mir bleibt.

V. S.


Kerzenlicht.

Januar 1946.
Eine Stadt liegt in Trümmern.
und die Leichen teils immer noch darunter begraben.
In der Nacht ist es noch erträglich.
Der weiße Schnee vermischt sich mit dem Kriegsschutt.
zu einer farblosen grauen Masse.
In weiter Ferne - ein Lichtlein brennend, das die Nacht erleuchtet.
Es ist ein Kerzenlicht in einem Haus - eines der wenigen, das noch steht.
Ein junger Mann ist zu sehen - sein Blick ohne Emotion.
Starr und leblos richtet er sich ins Licht.
Stunden vergehen.
Er ist völlig allein und kein Mensch weit und breit.
Ab und zu scheint es, als rede er mit jemandem.
Doch da ist niemand - kein Leben.
Nur er uns das Kerzenlicht.
Es wird immer kleiner und kleiner.
Ist dem Mann nicht kalt?
Scheint, als werde die Nacht immer dunkler.
Das kleine Kerzenlicht versucht die Stadt am Leben zu erhalten –
Zwecklos.
Und das Augenlicht des Mannes?
Es ist matt - matt und grau.
Wie die Nacht.
Wie die Stadt.
Wie die Gesichter der Toten.
Am nächsten Morgen erkennt man Fußabdrücke im Schnee,
die in das Haus hineinführen.
Aber es führen keine hinaus.


Henning Deux


Lebensgefühl einer Frau nach dem zweiten Weltkrieg

Wir stehen vor den Trümmern unserer Existenz.
Wir, das sind meine Töchter und ich. Mein Mann, unser Ernährer,
verschollen, gefangen gehalten, umgebracht? Keiner weiß es. Keiner
weiß, wie es weiter gehen soll. Alle Männer sind fort – niemand mehr da,
der uns den Weg weisen kann. Keiner, der uns sagt, wie es morgen
aussehen könnte. Man sagt, es läge jetzt an uns. Aber was können wir
schon ausrichten ohne Arbeit mit hungerenden Kindern, die ständig
fragen, wann denn der Vater heimkommt?

Dieser Krieg hat keinen Sieger hervorgetan, alle haben verloren.
Manche alles, so wie die Frau am Ende der Straße ihren Mann und ihren
einzigen Sohn.

Jetzt liegt es an uns das Beste draus zu machen, ein Heim für unsere
Kinder zu gestalten und ihnen eine Zukunft zu bieten.

Stunde für Stunde, Tag für Tag versuche ich Kraft zu schöpfen, die nicht
vorhanden ist.

Überall die Trümmer unserer Existenz.

Verstreut in alle Himmelsrichtungen, einiges geplündert, anderes durch
Bomben zerstört.

Nele Groenewold


Meine Welt verschwindet

Meine Welt verschwindet in Trümmern
Wo soll ich hin
meine Stadt zerstört
wann kommt mein Mann
mein Hunger ist unerträglich
wo bleibt mein Kind
kommen Flieger, kommen Soldaten
was werden sie bringen
Bomben oder Brot?

Die Kraft der Zerstörung
ich spürte sie in meinem Körper
doch ich will aufbauen
die Trümmer meines Hauses
die Trümmer meiner Seele
was wird kommen?

Berit Labott


Nachkriegsliteratur

1945, wenige Wochen nach Kriegsende


Zum Glück ist der Krieg endlich vorbei. Vor 2 Wochen sind die
Amerikaner durch unsere Stadt gezogen. Wir haben sie begrüßt, wir
standen jubelnd an den Straßen und haben mit ihnen gelacht.
Wir haben die Männer, die bis vor ein paar Tagen noch unsere Feinde
waren, die gegen unsere Männer gekämpft und sie getötet haben, in
unseren Häusern schlafen lassen und das wenige Essen, das wir haben,
auch noch mit ihnen geteilt.
Wir fahren froh über unsere Niederlage, wir hatten genug vom Krieg, wir
wollten ihn ja sowieso nicht! Zumindest sind nicht die Russen zuerst
gekommen.
Aber obwohl der Krieg jetzt vorbei ist, geht es uns nicht besser. Wir
haben trotzdem nichts zu essen, niemand hilft uns, niemand sagt uns,
wie es weitergeht. Obwohl der Krieg vorbei ist, die meisten Soldaten
werden nie zurückkehren. Werden wir jemals wieder normal leben
können? Wer baut unsere Städte wieder auf, wer führt uns?
Wo sollen wir unser Essen herbekommen, wie sollen wir überhaupt
leben, ohne unseren vielen Freunde und Verwandten, die nicht mehr
zurückkommen werden und mit der Schande, die wir über die ganze
Welt gebracht haben?

Christoph Rötepohl-Bahlmann



Der Krieg ist seit ein paar Monaten vorbei. Ich stehe nun vor einem
großen Trümmerhaufen. Ich habe nichts mehr. Keine Familie. Kein
angemessenes Zuhause. Keine Freunde. Keiner kann mir in diesem
Moment Trost spenden. Die Erlebnisse vom Krieg prägen weiterhin mein
Leben. Ich verliere fast jeden Gedanken an diese Zeit. Es war die Zeit
der Zerstörung. Die Zeit des Todes. Die Zeit in der man alles verloren
hat. Ich weiß nicht, ob ich noch lange so weiter leben kann. Ich sehe kein
Ende. Alles ist dunkel. Alles ist schwarz. Ich sehe kein Licht. Ich habe
keine Hoffnung mehr. Mein Leben wir bald zu Ende sein, was eigentlich
keines mehr war.

T. Burhorst


Leere Straßen

Leere Straßen in der ganzen Stadt
Nur noch Zerstörung zu sehn'
Eine Stadt voller Stille und Trümmern
Nichts wird so sein wie es mal war

Die Häuser? Schutt und Asche
Unsere Wohnung? Kahle Wände
Die Zimmer? Nur noch Trümmer
Arbeit? Das Chaos beseitigen

Tag für Tag das selbe Bild
Das Leben geht weiter

Raffael


Kämpfen

Der Krieg ist vorbei. Ich fühle keine Erleichterung. Ich fühle Leere.
Unglaubliche Leere. Ich bin schwach und kann mich nicht mehr rühren.
Ich glaube er lebt nicht mehr. Diese Mörder haben ihn einfach
umgebracht. Einer von vielen. Einer mehr oder weniger. Das fällt nicht
ins Gewicht. Ich denke aber anders. Wie soll ich denn ohne ihn leben
können? Ich kann die Kinder nicht mehr versorgen. Meine Kräfte sind am
Ende. Aber ich muss weiter kämpfen! Meine Kinder stehen jetzt im
Vordergrund. Ihnen muss es gut gehen. Wenn ich mich nicht sammele,
werde ich sie auch noch verlieren. Also muss ich die Rolle meines
Mannes einnehmen und meine Familie zusammenhalten und
beschützen. Retten was noch zu retten ist. Ich muss kämpfen.

L. B.


Von einer besseren Welt

Es war Nacht doch die Straßen so hell
Jeder verstummte doch leise war es nie
Es regnete Feuer doch kein Schirm gab uns Schutz
Es regnete so lang dass keiner nach Hause fand.
Los Kind! Schließ die Augen und träume von einer besseren Welt.

Heut ist es Tag doch die Straßen pechschwarz
Verzweiflung und Hoffnung in einem Atemzug
Auf den Trümmerspielplätzen sind Kinder ohne Väter
Man könnte meinen ich lache
Doch immer abends flüstere ich mir zu
Los Du! Schließ die Augen und träume endlich von unserer besseren Welt.

Ronja W.


Zuhause

Zuhause.
Wieder Zuhause.
Alles ist gleich.
Alles ist wie vorher,
Doch ganz anders.

Es ist ruhig, draußen wie drinnen,
Als wäre nichts gewesen.
Niemand spricht.
Alles ist anders,
Und doch so wie vorher.

Krieg. Wofür war er? Für das Vaterland?
Ich sehe es nicht, dieses Vaterland.
Wo ist es? Wo war es?
Was ist gut? Was ist böse?
Es ist alles anders.

Die Geräusche sind noch da, hier in der Stille,
Kommen von fern her. Vergangen und noch da.
Und nun? Ein Neuanfang?
Aber wem kann man vertrauen? Was ist das Richtige?
Wer weiß das schon. Alle rufen „Veränderung”! Ich spüre sie nicht.

M. S.


Ruhe

Ruhe – schön, doch nagend
an Erinnerungen von Lärm,
der metallisch unheilvoll
das Schreckliche ahnden lässt.

Ruhe – Statik des Jetzt,
die nach Veränderung schreit  –
lautlos zwar, aber ruhelos fordernd
am Morgen, der Sonniges zeugt.

Ruhe – nur Ende des Alten
oder  Beginn eines zaghaften Neuen?
Wir hoffen und darben, darben und hoffen.
Hoffen!

Hubertus Wilczek