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23.05.2018

. / .Deutsch / Kommunikation / Moderne und alte Kommunikation
Stand: 16.12.2012

Hier ein Beispiel für eine Hausaufgabe im Deutsch-Kurs (normales Niveau), die zugegebenermaßen etwas umfangreicher ausfiel. Wie immer nur marginale Korrekturen meinerseits (Stand: Nov. 2012).


Moderne und alte Kommunikation

Die zu vergleichenden Kommunikationsformen, die moderne und die traditionelle Kommunikation, weisen jeweils sowohl Vorteile als auch Nachteile auf.
Die moderne Kommunikation, zu der E-Mails, Facebook, SMS oder „whatsapp“ gehören, erweitert die Dynamik und Mobilität der Menschen. Mithilfe von Mobiltelefonen kann man unabhängig vom Ort, sei es beim Einkaufen oder beim Arbeiten, sehr schnell Informationen weitergeben und auch empfangen. Die Überwindung von örtlichen Grenzen ist außerdem mithilfe von neuen Medien zur Selbstverständlichkeit geworden. Sei es die Tante in Amerika oder die Freundin in Münster, innerhalb von Sekunden kann man kommunizieren.
Moderne Kommunikation bietet zudem die Möglichkeit Informationen gleichzeitig, mit einer E-Mail oder einer Nachricht bei Facebook, an einen beliebig großen Personenkreis zu verschicken. Durch die moderne Kommunikation hat sich außerdem ein völlig neuer Markt entwickelt. Personen werden kaum mehr durch Flugblätter, sondern durch gezielte Werbung anhand von Internetprofilen vermarktet. Informationen erreichen damit viel schneller eine höhere Anzahl von Empfängern. Auch in der Arbeitswelt nützen die neuen Mittel der Kommunikation enorm. Clusterbildung und das schnelle Hin und Her von Ideen sind durch die neuen Kommunikationsformen erst wirklich realisierbar worden. Das gemeinsame Arbeiten an Konzepten ist damit über große Distanzen möglich.
Ein weiterer Vorteil von moderner Kommunikation ist die Möglichkeit alte Freunde im Internet wiederzufinden, da die Aktivität in Internetportalen wie Facebook weltweit hoch ist. Auch das Finden neuer „Freunde“ wird damit erleichtert.

Jedoch muss man sagen, dass die moderne Kommunikation nicht nur als positiv angesehen werden darf. Das Kommunizieren über den Computer oder per SMS ersetzt nicht die direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch. Viele Kommunikationsebenen wie die Gestik, Mimik und Pantomimik oder die analoge Körpersprache wie z. B. haptische Zuwendung werden ausgegrenzt. Ob ein Mensch lügt, kann man oft an ungewöhnlichen Gesten und emotionalen Schwingungen ablesen. Das Lesen einer SMS gibt diese Gefühle nicht preis. Die emotionale Nähe, die wirklich nur beim persönlichen Gespräch entstehen kann, wird damit nicht erreicht und die permanente Reduktion auf einen digitalen Informationsaustausch führt vermutlich zu einem Kompetenzverlust im sozialen Miteinander. Das Hintergehen eines Menschen fällt mithilfe von moderner Kommunikation viel leichter, wodurch sich der Mensch auch in die Gefahr eines immer wieder auftretenden Verhaltensmusters begibt. Das normale Unterhalten von Mensch zu Mensch kann demzufolge auch gestört sein und das Knüpfen von sozialen Kontakten, ohne die Hilfe von Facebook, schwerfallen, zumal die bisherigen Informationskanäle je nach Technik z. T. auf nur einen Kanal reduziert werden und folglich viel an notwendiger Redundanz verloren geht.
Das ständige Erreichbar-Sein ist außerdem ein großer Stressfaktor, das Abschalten und zur Ruhe kommen wird erschwert; mit zunehmendem Alter verschärft sich die Problematik. Durch die gewohnte schnelle Kommunikation wächst außerdem der Druck, E-Mails schnellstmöglich zu beantworten. Man könnte also auch noch nach der Arbeit an den Computer gehen, um E-Mails abzuarbeiten.
Ein weiterer Nachteil ist die Vernachlässigung der deutschen Sprache. Sowohl die Groß- und Kleinschreibung  als auch das Ausschreiben von Wörtern wird besonders in der Kommunikation per SMS oder „whatsapp" kaum Aufmerksamkeit geschenkt.  Beispiele dafür sind zum Beispiel „hab", anstatt habe oder „ freu“, anstatt freue. Jugendliche laufen hierbei besonders Gefahr, diese Gewohnheiten etwa in Aufsätze zu übernehmen.

Die ältere Kommunikation, zu der vor allem Briefe zählen, wird im Gegenteil zur modernen Kommunikation immer weniger angewendet.
Der Vorteil eines Briefes liegt in dem Faktum, dass man ihn schlechter ignorieren kann. Eine E-Mail unter vielen ist schnell gelöscht. Einen handgeschriebenen Brief wegzuwerfen würde mir persönlich schwerer fallen. Die materielle Anwesenheit weckt Aufmerksamkeit.
Ein weiterer Punkt, der das Briefschreiben besonders macht, ist die heutige Seltenheit von selbst-geschriebenen Briefen. Informationen wirken exklusiver, persönlicher und damit wichtiger. Man schenkt dem Brief einer Tante mehr Aufmerksamkeit als einer beliebigen E-Mail.

Im Gegensatz zur modernen Kommunikation ist das Briefschreiben jedoch in der von Globalisierung geprägten Welt nicht mehr denkbar. Allein das Schreiben, Abschicken und Ankommen eines Briefes dauert wahrscheinlich länger als ein gesamter Informationsaustausch per E-Mail zwischen den Kommunizierenden.
Außerdem muss man mehrere Briefe schreiben, um mehrere Personen zu informieren. Eine E-Mail ist mit ein paar Klicks an 10 oder 100 Personen verschickt. 100 Briefe zu schreiben bedeutet einen weit größeren Aufwand. Firmen, die mit anderen Unternehmen in anderen Ländern arbeiten, würden durch das lange Warten auf Briefe enorm an Produktivität verlieren und nicht mehr konkurrenzfähig sein.

Ein Kompromiss zwischen alter Kommunikation von Mensch zu Mensch und neuen Technologien wird jedoch ansatzweise durch Programme wie „Skype" gefunden. Hier wird zwar nicht direkt zueinander gesprochen,  jedoch kann man Merkmale der Gestik und Mimik ausmachen und trotz großer Distanz miteinander komplexer kommunizieren.

Alles in allem kann man sagen, dass die moderne Kommunikation heutzutage nicht mehr wegzudenken ist und viele Prozesse erleichtert und vor allem beschleunigt, was jedoch auch Nachteile wie Druck und Stress mit sich bringt. Die alte Kommunikation hat dagegen eher den Status von etwas Veraltetem, aber auch Exklusivem. Sie ist aber in Zeiten der Globalisierung zu unpraktisch, muss dennoch zum Schutz vor Verfremdung der Menschen voneinander und aufgrund der Gefahren einer einseitigen Kommunikation bestehen bleiben und auch weiter gefördert werden.

Ronja Wacker