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letztes Update:
12.05.2013

. / .Geschichte / Neuzeit / Text und Muster einer gedanklichen Wiedergabe
Stand: 13.04.2007

TEXTWIEDERGABE

Hier ein mögliches Muster für die Wiedergabe eines Gedankenganges bezüglich eines historischen Sekundärtextes

TEXT

Karl Dietrich Bracher: Die Krise Europas 1917 - 1975

Der Bruch von 1945 entstand mithin weder so plötzlich noch mit einer derartigen ökonomi-
schen oder imperialistischen Motivation, wie dies die Amerika- und Kapitalismuskritiker wol-
len. In der historischen Perspektive erscheint eher das Kriegsbündnis der beiden Großmäch-
te als das Außergewöhnliche, nicht jene politische Rivalität und Gegnerschaft in Europa und
  5 Asien, die mit dem Ende des Krieges unverhüllt auftraten. Nach dem Sieg über den gemein-
samen Feind mußte die Grundverschiedenheit zwischen der totalitär-kollektivistisch organi-
sierten Sowjetunion mit ihrem revolutionsexpansiven Anspruch und den liberal-individualis-
tischen Demokratien Amerikas und Westeuropas sich wieder krasser geltend machen. Das
Notbündnis von 1941, das Stalin 1939 noch verweigert hatte, zerbrach mit seinem
10 Anlaß: dem Hitler-Regime. Die grundlegende Divergenz der Systeme von Ost und West,
nicht eine antisowjetische Verschwörung, bewirkte die neuerliche Entfremdung, die ein
Rückfall in die Vorkriegslage als auch der Neubeginn eines Kalten Krieges war. Neu war
freilich nicht nur das globale Ausmaß der bevorstehenden Konfrontation, die zu einem
Krieg am Rande des Krieges wurde, sondern auch die sowjetische
15 Gleichschaltungspolitik mit militärischen Mitteln. (...)
In diesem Rahmen, statt in recht vagen Verschwörungs- und Imperialismusthesen,
ist der Übergang vom Bündnis des Krieges zum Konflikt des Friedens zu erörtern. Mehr
als der dürftige Kompromiß der UNO und das bewaffnete Gegenüber der Blöcke war
1945 nicht zu erwarten. Nicht ein Zuviel an antibolschewistischer Militanz und
20 Aggressivität ist zu kritisieren, vielmehr ein Zuwenig an Konsequenz in der Wahrneh-
mung der westlichen Belange bei den Entscheidungen von 1944/45. Erst als weitere
Einbrüche drohten, begann die amerikanische Politik die Konsequenz aus den bitteren
Erfahrungen zu ziehen und sich mit ihren vollen wirtschaftlichen Mitteln in den Kalten
Krieg einzuschalten, der faktisch längst im Gange war und so bereits zur
25 kommunistischen Gleichschaltung ganz Osteuropas - mit Ausnahme der
Tschechoslowakei vor 1948 - geführt hatte.

Karl Dietrich Bracher: Die Krise Europas 1917 - 1975. (Propyläen-Verlag) Berlin 1976. S. 234.

BEARBEITUNG

Basisinformation
Der vorliegende Textauszug aus einer Darstellung des dt. Historikers K. D. Bracher mit dem
Titel „Die Krise Europas 1917-1975”, erschienen in....,
Thema
beschäftigt sich mit der Frage nach der Verantwortung für das Auseinanderbrechen der
Kriegsallianz nach 1945.
Intention
Bracher vertritt die Auffassung, dass der erfolgte Bruch die natürliche Entwicklung, die
vorherige Allianz eben unnatürlich gewesen sei.
Inhalt
Der Auszug beginnt unvermittelt mit einer Folgerung, die besagt, dass die Trennung [folglich]
weder unvermittelt noch mit imperialistischer Zielsetzung erfolgt sei, wie es die Kritiker der
USA gerne behaupteten (Z.1-3).
Bracher stellt nunmehr erläuternd die These auf, dass aus der Retrospektive betrachtet, das
Kriegsbündnis exotischen Charakter besessen habe, nicht die in Europa deutlich werdende
Rivalität beider Weltmächte (Z. 4-6).
Der grundlegende ideologische Widerspruch habe nach dem Sieg über den gemeinsamen
Feind wieder deutlich werden müssen (Z. 6 f.). Zugespitzt formuliert Bracher, „das
Notbündnis von 1941“ sei mit dem Fortfall seines Anlasses zusammengebrochen (Z. 9-12).
Das einzig Neue sei vielleicht das Ausmaß dieser latenten Konfrontation und die Rigidität der
sowjetischen „Gleichschaltungspolitik“ (Z. 13-15). Bracher beharrt nunmehr darauf, dass eine
solche Perspektive die angemessene sei und nicht das Aufstellen dubioser Verschwörungs-
theorien gegenüber der Sowjetunion (15 f).
Ganz im Gegenteil - so Bracher -, nicht ein Zuviel der Distanz, sondern ein Zuwenig in der
Wahrung der westlichen Interessen sei zu konstatieren.
Schluss
Sehr spät erst habe die amerikanische Politik Konsequenzen aus der rigiden
kommunistischen Gleichschaltung Europas gezogen, behauptet Bracher am Schluss
(Z.19-26).